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Der Graue Star: Teil 1 von 4

Mein persönlicher Erlebnisbericht: Was ist ein „Katarakt" und kann ein Augenoptiker ihn erkennen?
Beitrag von Susanne Richter, Gründerin der Online-Plattform Optikersuche-Ratgeber
Das Bild zeigt Susanne Richter  nach links zeigend.
Inhalt:
  • Was bedeutet Grauer Star?
  • Woher kommen die Bezeichnungen „Grauer Star" und „Katarakt"?
  • Wodurch habe ich bemerkt, dass sich meine Augen verändern?
  • Kann der Augenoptiker den Grauen Star erkennen?
  • Wie es sich in meinem Fall beim Augenoptiker zutrug
  • Welche Risiken drohen, wenn man den Grauen Star ignoriert?
  • Mein erstes Fazit

Was bedeutet Grauer Star?

Beim Grauen Star, medizinisch als Katarakt bezeichnet, handelt es sich um eine Trübung der normalerweise glasklaren Augenlinse. Das einfallende Licht kann nicht mehr ungehindert auf die Netzhaut treffen, wodurch die Sehkraft schleichend abnimmt.
Oft wird der Graue Star als „Volkskrankheit" bezeichnet. Ehrlicherweise ist er jedoch meist keine Krankheit im klassischen Sinne, sondern ein natürlicher Alterungsprozess der Linse. Da unsere Gesellschaft immer älter wird, betrifft dieser Prozess fast jeden von uns irgendwann. In Deutschland werden jährlich zwischen 700.000 und 800.000 Graue-Star-Operationen durchgeführt. Es ist der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt. (Quelle: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands)
Hörtipp zum Einstieg: Der Podcast der Apotheken‒Umschau zum Grauen Star erklärt die biologischen Grundlagen sehr verständlich.

Woher kommen die Bezeichnungen „Grauer Star" und „Katarakt"?

Grauer Star (Wortherkunft): Das Wort „Grau" beschreibt den visuellen Eindruck. Das Sehen fühlt sich zunehmend milchig an. Das Wort „Star" leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort für „starr" ab. Es beschreibt den starren, unbeweglichen Blick, den erblindete Menschen im unbehandelten Endstadium der Erkrankung früher oft zeigten.
Katarakt (Wortherkunft): Der medizinische Fachbegriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Wasserfall". In der Antike glaubte man, eine trübe Flüssigkeit fließe im Auge herab. Wer heute betroffen ist, beschreibt den Seheindruck tatsächlich oft so, als würde man versuchen, durch herabstürzendes Wasser zu blicken.

Wodurch habe ich bemerkt, dass ich den Grauen Star habe?

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich hatte keine Ahnung, was sich in meinen Augen zusammenbraute. Die Linseneintrübung ist ein sehr langsamer Prozess, der in aller Regel keine Schmerzen verursacht. Ich habe keine plötzliche Veränderung bemerkt.
Meine Symptome im Alltag waren schleichend:
  • Ich konnte Konturen und Gesichter immer schlechter scharf erkennen.
  • Bei Dunkelheit trat eine neue, unangenehme Blendempfindlichkeit auf.
  • Das Sehen verlor insgesamt an Farbbrillanz und Kontrast.
Ich dachte mir nichts Schlimmes dabei und war überzeugt: „Mit über 60 brauche ich nach sechs Jahren einfach einmal wieder eine neue Brille." Also suchte ich meinen Augenoptiker auf. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich in meinem gesamten Leben noch nie einen Augenarzt aufgesucht. eEn typischer Fehler vieler Menschen.

Kann der Augenoptiker den Grauen Star erkennen?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja und Nein: Es kommt ganz auf die Ausrichtung des Augenoptikers an.
Das klassische, traditionelle Fundament des Augenoptikers liegt in der Handwerksordnung: Er misst die Brechkraft des Auges, bestimmt die Sehschärfe (den Visus) und fertigt eine präzise Brille oder Kontaktlinsen an.
Die Antwort lautet jedoch JA, wenn man einen modernen Augenoptiker oder spezialisierten Optometristen aufsucht. Diese Fachbetriebe haben sich zu modernen Gesundheitsdienstleistern weiterentwickelt, untersuchen die Augen und schauen gezielt nach Auffälligkeiten und Risikofaktoren.
Als Standardmethode dient hierbei die Spaltlampe. Mit diesem speziellen Mikroskop wird das Auge stark vergrößert ausgeleuchtet. Ein geschulter Augenoptiker kann selbst winzige, beginnende Trübungen in den verschiedenen Schichten der Augenlinse sofort als Auffälligkeit identifizieren.
Grauer Star Untersuchung mit Spaltlampe - KI generiert
Dieses Bild wurde mit Hilfe von KI erstellt

Wie es sich in meinem Fall beim Augenoptiker zutrug

Mein Augenoptiker zeichnet sich durch jahrzehntelange Erfahrung aus. Gleichzeitig verfügt er über eine hochmoderne Gerätezechnik für Augenuntersuchungen, wie man sie sonst aus Augenarztpraxen und -kliniken kennt.
Nach der klassischen Bestimmung der Sehschärfe untersuchte mein Augenoptiker meine Augen sehr gründlich. Er stellte eine deutliche Trübung der Linse fest.
Jetzt passierte das Entscheidende: Obwohl ich als Kundin darauf drängte, mir einfach nur stärkere Brillengläser zu machen, lehnte er ab. Er sprach den begründeten Verdacht auf eine linsenspezifische Veränderung aus und gab mir den dringenden Rat, einen Augenarzt aufzusuchen.
Das ist schon faszinierend: Ein mittelständischer Unternehmer verzichtet freiwillig auf den schnellen Umsatz durch den Verkauf einer neuen Brille, weil ihm die Augengesundheit wichtiger ist. Er wusste genau, dass ich durch die anstehende OP und die Wartezeiten erst in etwa einem oder zwei Jahren wieder zu ihm in das Geschäft kommen würde. Durch einen reinen Sehtest ohne diese gründliche Untersuchung wäre das Problem vielleicht übersehen worden und ich wäre mit einem fortschreitenden Risiko nach Hause gegangen.

Maßgebliche Risiken: Was passiert, wenn man den Grauen Star ignoriert?

Eine Linseneintrübung lässt sich weder durch Medikamente noch durch Augentropfen aufhalten oder rückgängig machen. Der einzig wirksame Weg ist der operative Austausch der trüben Linse gegen eine künstliche Intraokularlinse (IOL).
Wer den Grauen Star verschleppt, riskiert weit mehr als nur schlechtes Sehen:
  1. Massiver Sehverlust: Farben verblassen, Kontraste verschwinden, die Blendung im Straßenverkehr wird lebensgefährlich.
  2. Gesteigertes Unfallrisiko: Durch die schlechtere räumliche Wahrnehmung steigt die Sturzgefahr im Alltag drastisch.
  3. Ein um fast 30 % höheres Demenzrisiko. Das ist ein Zusammenhang, den kaum ein Verbraucher kennt: Wenn das Gehirn durch die trübe Linse dauerhaft zu wenig visuelle Reize bekommt, kann das Gedächtnis einer Studie zufolge schneller abbauen. Eine Langzeitstudie der University of Washington (veröffentlicht in JAMA Internal Medicine) zeigte, dass Menschen, die sich rechtzeitig operieren ließen, ihr Demenzrisiko um fast ein Drittel senken konnten. (Wer die Details nachlesen möchte: https://www.nia.nih.gov/news/cataract-removal-linked-reduction-dementia-risk)

Mein erstes Fazit

Augenoptiker dürfen und wollen keine Augenärzte ersetzen. Sie stellen keine medizinischen Diagnosen und therapieren keine Krankheiten. Aber moderne Augenoptiker und Optometristen bilden ein perfektes, flächendeckendes Frühwarnsystem unseres Gesundheitssystems. Sie wissen genau, wie ein gesundes Auge aussieht, erkennen daher Abweichungen und lotsen den Kunden zur richtigen Zeit zum Arzt.
Wie es weitergeht: Im nächsten Teil 2 geht es direkt an die High-Tech-Geräte, um die vier konkreten Stationen meiner Untersuchung beim Augenoptiker, die den Weg zur OP geebnet haben.
Ein Hinweis in eigener Sache: Das hier ist mein ganz persönlicher Weg durch die Grauer-Star-Operation, keine allgemeingültige medizinische Empfehlung. Jedes Auge, jede Diagnose und jede Entscheidung für eine Linse ist individuell. Was bei mir gut funktioniert hat, muss nicht automatisch auf Sie zutreffen, sprechen Sie über Ihre eigene Situation bitte immer mit Ihrem Augenarzt oder Optometristen. Bei akuten Beschwerden oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.