Die Bezeichnungen beschreiben unterschiedliche Dinge: Kernstar, Rindenstar und subkapsuläre Katarakt benennen den Ort der Trübung. Traumatische Katarakt und Kortisonkatarakt benennen ihre Ursache. Mehrere Formen können in derselben Linse zusammenkommen. Eine Kortisonkatarakt ist beispielsweise häufig zugleich eine hintere subkapsuläre Katarakt. [8, 10]
Kernstar
Beim Kernstar, der Cataracta nuclearis, verändert sich vor allem das Zentrum der Linse. Es wird dichter und zunehmend gelblich bis braun. Diese häufige Altersveränderung entwickelt sich meist über Jahre. Die Fernsicht kann nachlassen, Farben verlieren an Leuchtkraft.
Durch die veränderte Lichtbrechung kann das Auge kurzsichtiger werden. Manche Menschen können deshalb vorübergehend wieder ohne Lesebrille lesen. Das bedeutet jedoch keine Verjüngung des Auges: Die ursprüngliche Fähigkeit zur Naheinstellung kehrt dadurch nicht zurück. [1, 8]
Rindenstar
Beim Rindenstar, der Cataracta corticalis, entstehen Trübungen in den äußeren Linsenschichten rund um den Kern. Bei der Untersuchung können sie wie Speichen aussehen, die vom Rand nach innen reichen.
Wie sehr sie stören, hängt auch davon ab, ob sie in den Bereich hineinragen, durch den das Licht für das betrachtete Bild fällt. Typisch sind Blendung und nachlassende Kontraste, etwa beim nächtlichen Autofahren. Der Verlauf kann langsam sein, aber auch innerhalb von Monaten deutlich voranschreiten. [1, 8]
Subkapsuläre Katarakt
Die Linse ist von einer dünnen Hülle umgeben, der Linsenkapsel. „Subkapsulär" bedeutet „unter der Kapsel". Besonders bedeutsam ist die hintere subkapsuläre Katarakt: Die Trübung liegt unmittelbar vor der hinteren Linsenkapsel und häufig zentral.
Schon eine kleine Trübung an dieser Stelle kann deutlich stören. Bei hellem Licht wird die Pupille enger, sodass die zentrale Trübung stärker ins Gewicht fallen kann. Lesen und Sehen gegen Licht können besonders anstrengend werden. Diese Form kann schneller fortschreiten als ein Kernstar und tritt unter anderem bei Diabetes, nach Augenentzündungen oder unter Kortisonbehandlung auf.
Auch eine vordere subkapsuläre Katarakt ist möglich. Sie liegt unter dem vorderen Anteil der Kapsel und kann beispielsweise nach einer Verletzung entstehen. [1, 8, 10]
Polstar oder polare Katarakt
Mit „Pol" ist hier die Mitte der vorderen oder hinteren Linsenfläche gemeint. Eine polare Katarakt ist eine umschriebene Trübung in diesem Bereich und häufig angeboren oder entwicklungsbedingt.
Ein vorderer Polstar kann klein bleiben und muss nicht zwangsläufig operiert werden. Bei Kindern sind Kontrollen dennoch wichtig: Begleitende Unterschiede der Brechkraft zwischen beiden Augen oder eine Hornhautverkrümmung können die Sehentwicklung beeinträchtigen. [11] Es kann eine Amblyopie entstehen, eine Sehschwäche infolge gestörter Sehentwicklung, die sich später nicht allein mit einer passenden Brille ausgleichen lässt.
Beim hinteren Polstar sitzt die Trübung zentral an der Rückseite der Linse. Die dahinterliegende Kapsel kann besonders dünn sein oder einen Defekt aufweisen; auch eine feste Verbindung zwischen Trübung und Kapsel ist möglich. Das muss bei einer Operation berücksichtigt werden. Ein hinterer Polstar ist nicht gleichbedeutend mit der gewöhnlichen hinteren subkapsulären Katarakt, auch wenn beide gemeinsam vorkommen können. [12]
Katarakt nach einer Verletzung
Eine Cataracta traumatica entsteht infolge einer Augenverletzung. Ein stumpfer Schlag kann Linsenfasern schädigen; eine eindringende Verletzung kann zusätzlich die Kapsel öffnen. Die Trübung kann unmittelbar oder erst lange nach dem Ereignis auftreten.
Nach stumpfen Verletzungen findet sich manchmal ein blüten- oder sternförmiges Muster, die Rosettenkatarakt. Sie ist eine mögliche Erscheinungsform der traumatischen Katarakt. Bei der Behandlung muss außerdem geprüft werden, ob etwa die Aufhängung der Linse, die Iris oder die Netzhaut verletzt wurde. Das spätere Sehvermögen hängt daher vom gesamten Verletzungsbild ab. [13, 14]
Kortisonkatarakt
Kortisonpräparate, fachlich Glukokortikoide, sind für viele Erkrankungen wichtige Medikamente. Eine länger dauernde Behandlung kann jedoch eine Katarakt begünstigen, typischerweise eine hintere subkapsuläre Trübung. Das Risiko hängt unter anderem von Dosis, Behandlungsdauer, Anwendungsform und individueller Empfindlichkeit ab. Es betrifft beispielsweise längerfristige Behandlungen mit Tabletten oder am Auge; auch bei inhalativen Präparaten ist ein Zusammenhang beschrieben, besonders bei höherer Belastung. [10, 15]
Setzen Sie ein verordnetes Kortisonpräparat nicht eigenständig ab. Besprechen Sie Sehveränderungen und die Frage nach augenärztlichen Kontrollen mit den behandelnden Ärzten. Nach einer Kataraktoperation können kortisonhaltige Tropfen zur Entzündungshemmung sinnvoll sein: Die natürliche Linse ist dann entfernt. Die ärztlich verordnete Nachbehandlung sollte deshalb nicht aus Angst vor einer neuen Katarakt ausgelassen werden. [3, 10]
Weitere Ursachen und besondere Situationen
Auch bei Diabetes, chronischen Entzündungen im Auge oder nach Strahlenbelastung kann eine Katarakt auftreten. Diese Ursachen führen nicht immer zu einem einzigen, unverwechselbaren Trübungsmuster. Bei angeborenen Katarakten ist besonders die Sehentwicklung entscheidend: Eine kleine unauffällige Trübung wird gegebenenfalls beobachtet; eine Trübung, die das Sehen eines Kindes behindert, muss frühzeitig augenärztlich behandelt werden. [9, 14]