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Grauer Star verstehen und behandeln

Wie eine Katarakt entsteht, wie sie das Sehen verändert und welche Behandlung zu Ihren Augen passt
Gastartikel
Gastbeitrag von Hannes Ebner, Augenoptikermeister und Optometrist (HWK)
Logo und Kontaktdaten vom Gastautor, Hannes Ebner
Zu sehen ist der Gastautor, Hannes Ebner
Die Brille ist geputzt, die Beleuchtung eingeschaltet – und trotzdem wirkt die Welt nicht mehr richtig klar. Beim Lesen fehlt Kontrast, entgegenkommende Scheinwerfer blenden stärker als früher, Farben erscheinen matter. Dahinter kann ein Grauer Star stecken, medizinisch die Katarakt genannt.
Dabei trübt sich die natürliche Augenlinse. Meist entwickelt sich diese Veränderung allmählich und lässt sich bei Bedarf durch eine Operation gut behandeln. Doch nicht jede Linsentrübung muss sofort operiert werden. Entscheidend ist, welche Beschwerden sie verursacht, wie gesund das übrige Auge ist und was Sie im Alltag sehen möchten. Dieser Artikel erklärt die Zusammenhänge und hilft Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen. [1–4]

Was die Augenlinse beim Sehen leistet

Die Linse liegt im Inneren des Auges, direkt hinter der Iris, der farbigen Regenbogenhaut. Gemeinsam mit der Hornhaut bündelt sie das einfallende Licht auf der Netzhaut. Dort wandeln lichtempfindliche Sinneszellen die Lichtreize in elektrische Signale um, die über den Sehnerv zum Gehirn gelangen.
In jungen Jahren kann die Linse ihre Form verändern. Dadurch stellt sich das Auge auf verschiedene Entfernungen ein, etwa beim Wechsel vom Blick aus dem Fenster auf ein Buch. Diese Fähigkeit heißt Akkommodation. Mit dem Alter wird die Linse weniger verformbar. Die dadurch nachlassende Naheinstellung führt zur Alterssichtigkeit, der Presbyopie.
Bei einer Katarakt kommt eine andere Veränderung hinzu: Die Linse verliert ihre Durchsichtigkeit. Alterssichtigkeit und Grauer Star können gemeinsam auftreten, sind aber unterschiedliche Vorgänge. Eine Lesebrille gleicht die fehlende Naheinstellung aus. Eine Linsentrübung kann sie nicht beseitigen. [5, 6]
Zu sehen ist eine Grafik, die veranschaulicht, was die Augenlinse beim Sehen leistet
Die Augenlinse liegt hinter Iris und Pupille. Sie bündelt zusammen mit der Hornhaut das Licht auf der Netzhaut. Abbildung 1 · Bildnachweis

Wie ein Grauer Star entsteht

Damit eine Linse durchsichtig bleibt, müssen ihre Fasern und Eiweiße fein geordnet sein. Im Laufe des Lebens verändern sich diese Strukturen. Eiweiße können ihre Eigenschaften verlieren und sich zusammenlagern; der Linsenkern verdichtet sich und kann zunehmend gelblich bis bräunlich werden. Auch Veränderungen des Wasser- und Stoffhaushalts spielen eine Rolle. Die Entstehung hat mehrere Ursachen und ist nicht in allen Einzelheiten geklärt. [7, 8]
Die Folgen lassen sich mit einer trüben Fensterscheibe vergleichen: Licht gelangt weiterhin hindurch, wird jedoch zusätzlich gestreut und zum Teil stärker absorbiert, also aufgenommen. Auf der Netzhaut entsteht ein weniger klares Bild. Diese Lichtstreuung erklärt, warum Blendung oft schon stört, bevor die Sehschärfe deutlich nachlässt.
Am häufigsten ist die Katarakt altersbedingt. Begünstigende Faktoren sind unter anderem Diabetes mellitus, Rauchen, langjährige UV-Belastung, eine familiäre Veranlagung sowie bestimmte Medikamente. Auch Entzündungen, Verletzungen und vorausgegangene Augenoperationen können eine Linsentrübung fördern. Seltener besteht sie bereits bei der Geburt. [7, 9]

Wie Betroffene die Veränderungen wahrnehmen

Eine typische altersbedingte Katarakt entwickelt sich schmerzlos. Häufig sind beide Augen betroffen, allerdings unterschiedlich stark. Weil der Verlauf schleichend sein kann und das bessere Auge einen Teil ausgleicht, fallen Veränderungen manchmal erst spät auf.
Wie schnell die Trübung zunimmt, ist individuell verschieden. Eine weit fortgeschrittene Katarakt kann das Sehvermögen bis hin zur Erblindung einschränken. Die Diagnose bedeutet jedoch nicht, dass dies unmittelbar bevorsteht. [1, 2]
Schleier und Unschärfe
Die Zeitung, Gesichter oder Straßenschilder wirken verschwommen, obwohl die Brille sauber ist.
Mehr Blendung
Sonnenlicht oder Scheinwerfer stören stärker; um Lampen können Lichtkränze oder Strahlen erscheinen.
Weniger Kontrast
Eine Stufenkante hebt sich schlechter vom Boden ab; bei Dämmerung und Regen wird die Orientierung anstrengender.
Veränderte Farben
Farben erscheinen weniger kräftig oder gelblicher. Die Veränderung wird oft erst im Vergleich bemerkt.
Wechselnde Brillenwerte
Die gewohnte Brille passt nicht mehr. Bei bestimmten Formen nimmt die Kurzsichtigkeit zu.
Schattenkonturen
Ein Gegenstand kann mit einem Auge doppelt oder mit einem versetzten Umriss erscheinen.
Nicht jeder Mensch erlebt alle diese Beschwerden. Sie beweisen auch für sich allein keine Katarakt. Für die Einordnung braucht es eine Untersuchung. [1, 8, 9]
Ein guter Wert auf der Sehtafel erzählt nicht die ganze Geschichte. Der übliche Sehschärfetest prüft kleine Zeichen bei hohem Kontrast. Im Straßenverkehr kommen schwache Kontraste und Blendung hinzu. Deshalb sollten Sie konkret schildern, wann das Sehen Schwierigkeiten macht – auch wenn Sie einzelne Testzeichen noch gut erkennen. [3, 4]

Welche Kataraktformen es gibt

Die Bezeichnungen beschreiben unterschiedliche Dinge: Kernstar, Rindenstar und subkapsuläre Katarakt benennen den Ort der Trübung. Traumatische Katarakt und Kortisonkatarakt benennen ihre Ursache. Mehrere Formen können in derselben Linse zusammenkommen. Eine Kortisonkatarakt ist beispielsweise häufig zugleich eine hintere subkapsuläre Katarakt. [8, 10]
Kernstar
Beim Kernstar, der Cataracta nuclearis, verändert sich vor allem das Zentrum der Linse. Es wird dichter und zunehmend gelblich bis braun. Diese häufige Altersveränderung entwickelt sich meist über Jahre. Die Fernsicht kann nachlassen, Farben verlieren an Leuchtkraft.
Durch die veränderte Lichtbrechung kann das Auge kurzsichtiger werden. Manche Menschen können deshalb vorübergehend wieder ohne Lesebrille lesen. Das bedeutet jedoch keine Verjüngung des Auges: Die ursprüngliche Fähigkeit zur Naheinstellung kehrt dadurch nicht zurück. [1, 8]
Rindenstar
Beim Rindenstar, der Cataracta corticalis, entstehen Trübungen in den äußeren Linsenschichten rund um den Kern. Bei der Untersuchung können sie wie Speichen aussehen, die vom Rand nach innen reichen.
Wie sehr sie stören, hängt auch davon ab, ob sie in den Bereich hineinragen, durch den das Licht für das betrachtete Bild fällt. Typisch sind Blendung und nachlassende Kontraste, etwa beim nächtlichen Autofahren. Der Verlauf kann langsam sein, aber auch innerhalb von Monaten deutlich voranschreiten. [1, 8]
Subkapsuläre Katarakt
Die Linse ist von einer dünnen Hülle umgeben, der Linsenkapsel. „Subkapsulär" bedeutet „unter der Kapsel". Besonders bedeutsam ist die hintere subkapsuläre Katarakt: Die Trübung liegt unmittelbar vor der hinteren Linsenkapsel und häufig zentral.
Schon eine kleine Trübung an dieser Stelle kann deutlich stören. Bei hellem Licht wird die Pupille enger, sodass die zentrale Trübung stärker ins Gewicht fallen kann. Lesen und Sehen gegen Licht können besonders anstrengend werden. Diese Form kann schneller fortschreiten als ein Kernstar und tritt unter anderem bei Diabetes, nach Augenentzündungen oder unter Kortisonbehandlung auf.
Auch eine vordere subkapsuläre Katarakt ist möglich. Sie liegt unter dem vorderen Anteil der Kapsel und kann beispielsweise nach einer Verletzung entstehen. [1, 8, 10]
Polstar oder polare Katarakt
Mit „Pol" ist hier die Mitte der vorderen oder hinteren Linsenfläche gemeint. Eine polare Katarakt ist eine umschriebene Trübung in diesem Bereich und häufig angeboren oder entwicklungsbedingt.
Ein vorderer Polstar kann klein bleiben und muss nicht zwangsläufig operiert werden. Bei Kindern sind Kontrollen dennoch wichtig: Begleitende Unterschiede der Brechkraft zwischen beiden Augen oder eine Hornhautverkrümmung können die Sehentwicklung beeinträchtigen. [11] Es kann eine Amblyopie entstehen, eine Sehschwäche infolge gestörter Sehentwicklung, die sich später nicht allein mit einer passenden Brille ausgleichen lässt.
Beim hinteren Polstar sitzt die Trübung zentral an der Rückseite der Linse. Die dahinterliegende Kapsel kann besonders dünn sein oder einen Defekt aufweisen; auch eine feste Verbindung zwischen Trübung und Kapsel ist möglich. Das muss bei einer Operation berücksichtigt werden. Ein hinterer Polstar ist nicht gleichbedeutend mit der gewöhnlichen hinteren subkapsulären Katarakt, auch wenn beide gemeinsam vorkommen können. [12]
Katarakt nach einer Verletzung
Eine Cataracta traumatica entsteht infolge einer Augenverletzung. Ein stumpfer Schlag kann Linsenfasern schädigen; eine eindringende Verletzung kann zusätzlich die Kapsel öffnen. Die Trübung kann unmittelbar oder erst lange nach dem Ereignis auftreten.
Nach stumpfen Verletzungen findet sich manchmal ein blüten- oder sternförmiges Muster, die Rosettenkatarakt. Sie ist eine mögliche Erscheinungsform der traumatischen Katarakt. Bei der Behandlung muss außerdem geprüft werden, ob etwa die Aufhängung der Linse, die Iris oder die Netzhaut verletzt wurde. Das spätere Sehvermögen hängt daher vom gesamten Verletzungsbild ab. [13, 14]
Kortisonkatarakt
Kortisonpräparate, fachlich Glukokortikoide, sind für viele Erkrankungen wichtige Medikamente. Eine länger dauernde Behandlung kann jedoch eine Katarakt begünstigen, typischerweise eine hintere subkapsuläre Trübung. Das Risiko hängt unter anderem von Dosis, Behandlungsdauer, Anwendungsform und individueller Empfindlichkeit ab. Es betrifft beispielsweise längerfristige Behandlungen mit Tabletten oder am Auge; auch bei inhalativen Präparaten ist ein Zusammenhang beschrieben, besonders bei höherer Belastung. [10, 15]
Setzen Sie ein verordnetes Kortisonpräparat nicht eigenständig ab. Besprechen Sie Sehveränderungen und die Frage nach augenärztlichen Kontrollen mit den behandelnden Ärzten. Nach einer Kataraktoperation können kortisonhaltige Tropfen zur Entzündungshemmung sinnvoll sein: Die natürliche Linse ist dann entfernt. Die ärztlich verordnete Nachbehandlung sollte deshalb nicht aus Angst vor einer neuen Katarakt ausgelassen werden. [3, 10]
Weitere Ursachen und besondere Situationen
Auch bei Diabetes, chronischen Entzündungen im Auge oder nach Strahlenbelastung kann eine Katarakt auftreten. Diese Ursachen führen nicht immer zu einem einzigen, unverwechselbaren Trübungsmuster. Bei angeborenen Katarakten ist besonders die Sehentwicklung entscheidend: Eine kleine unauffällige Trübung wird gegebenenfalls beobachtet; eine Trübung, die das Sehen eines Kindes behindert, muss frühzeitig augenärztlich behandelt werden. [9, 14]
So sehen unterschiedliche Linsentrübungen aus
Spaltlampenaufnahme eines Rindenkatarakts: helle Trübungen in den äußeren Linsenschichten
Abbildung 2 · Rindenkatarakt: Trübungen in den äußeren Linsenschichten. Die helle schmale Lichtbahn gehört zur Untersuchung mit der Spaltlampe.BildnachweisImrankabirhossain · CC BY-SA 4.0
Spaltlampenaufnahme einer hinteren subkapsulären Katarakt
Abbildung 3 · Hintere subkapsuläre Katarakt: Die körnige Trübung hebt sich im rötlichen Hintergrundlicht ab. Der helle weiße Punkt ist ein Lichtreflex der Untersuchung.BildnachweisImrankabirhossain · CC BY-SA 4.0
Spaltlampenaufnahme eines hinteren Polstars
Abbildung 4 · Hinterer Polstar: Eine umschriebene helle Trübung am hinteren Linsenpol. Diese besondere Form muss bei der Operationsplanung berücksichtigt werden.BildnachweisImrankabirhossain · CC BY-SA 4.0
Spaltlampenaufnahme einer traumatischen Rosettenkatarakt
Abbildung 5 · Traumatische Rosettenkatarakt: Rosettenförmiges Trübungsmuster nach einer Augenverletzung. Nicht jede verletzungsbedingte Katarakt zeigt dieses Muster.BildnachweisImrankabirhossain · CC BY-SA 4.0
Vollständige Quellen und Lizenzangaben stehen in den Bildnachweisen am Ende des Artikels.

Wie die Ursache der Sehstörung festgestellt wird

Am Anfang stehen Ihre Beschwerden: Seit wann sehen Sie schlechter? Betrifft es ein oder beide Augen? Stört besonders das Lesen, die Dämmerung oder Gegenlicht? Auch Medikamente, Diabetes, frühere Augenoperationen und Verletzungen sind wichtig.
Die Sehschärfe wird für jedes Auge geprüft und mit einer passenden Brillenkorrektion verglichen. Mit der Spaltlampe, einem Untersuchungsmikroskop mit gezielter Beleuchtung, lässt sich die Linse vergrößert beurteilen. Bei Bedarf werden die Pupillen mit Tropfen erweitert. Zur augenärztlichen Diagnostik gehört auch die Beurteilung anderer Augenstrukturen, insbesondere von Netzhaut und Sehnerv, sowie des Augeninnendrucks. Zusätzliche Untersuchungen richten sich nach dem Befund. [3, 4, 16]
Das ist wichtig, weil mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen können. Beispielsweise betreffen eine altersbedingte Makuladegeneration die zentrale Netzhaut und ein Glaukom, der Grüne Star, den Sehnerv. Eine Kataraktoperation beseitigt die Linsentrübung; bereits bestehende Schäden an Netzhaut oder Sehnerv kann sie nicht rückgängig machen. [2, 16]
Augenoptiker und Optometristen können Veränderungen der Sehleistung erfassen, optische Verbesserungen prüfen und bei Auffälligkeiten zur augenärztlichen Diagnostik raten. Die Diagnose einer Augenerkrankung und die Entscheidung über ihre medizinische Behandlung erfolgen augenärztlich. [25]

Was zunächst im Alltag helfen kann

Bei einer leichten Katarakt kann eine angepasste Brille die veränderte Brechkraft eine Zeit lang ausgleichen. Eine gut ausgerichtete, blendfreie Beleuchtung, größere Schrift und bei Bedarf eine vergrößernde Sehhilfe können den Alltag erleichtern. [2, 9] Draußen kann eine geeignete Sonnenbrille störende Helligkeit reduzieren.
Die Grenze dieser Hilfen liegt in der Linse selbst: Durch eine stärkere Brille wird sie nicht wieder durchsichtig. Nach heutigem Stand gibt es keine ausreichend belegte medikamentöse Behandlung, die eine bestehende Katarakt zuverlässig beseitigt. Augentropfen, Nahrungsergänzungsmittel oder Sehübungen ersetzen eine notwendige Operation nicht. [2, 3]
Wenn Sie sich beim Fahren unsicher fühlen, lassen Sie die Sehfähigkeit prüfen und verzichten Sie bis zur Klärung auf die betreffenden Fahrten. [16] Starke Blendung verdient ebenso Aufmerksamkeit wie eine nachlassende Sehschärfe.

Wann eine Operation sinnvoll wird

Der passende Zeitpunkt ergibt sich aus dem Gespräch mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt. Es geht darum, wie sehr die Katarakt Ihren Alltag einschränkt und welcher Nutzen bei Ihrem Auge zu erwarten ist. Hilfreiche Fragen sind:
  • Kann ich noch entspannt lesen, arbeiten und meinen Hobbys nachgehen?
  • Erkenne ich Gesichter, Stufen und Hindernisse ausreichend sicher?
  • Wie stark stören Blendung und schlechte Sicht bei Dämmerung?
  • Was verbessert eine neue Brille tatsächlich noch?
Ein einzelner Sehschärfewert genügt für diese Entscheidung nicht. Auch das Alter allein entscheidet nicht über eine Operation. Ein Grauer Star muss außerdem nicht erst „reif" werden. Bei sehr dichter Trübung können Vermessung und Operation schwieriger werden. [2, 4]
Manchmal gibt es zusätzliche medizinische Gründe, früher zu operieren – beispielsweise wenn die Trübung die notwendige Untersuchung oder Behandlung der Netzhaut behindert. Bei einem unkomplizierten Verlauf und geringen Beschwerden kann zunächst eine regelmäßige Kontrolle ausreichen. [17]

Was bei der Kataraktoperation passiert

In der Regel erfolgt die Operation ambulant und unter örtlicher Betäubung. Häufig werden dafür Augentropfen verwendet; je nach Situation kommen andere Betäubungsverfahren hinzu. Meist bleibt man wach. Licht und Bewegungen können wahrgenommen werden. Wenn Sie Angst haben oder schlecht ruhig liegen können, sprechen Sie dies vorab an. [2, 18]
Beim üblichen Verfahren wird die vordere Linsenkapsel durch einen kleinen Zugang eröffnet. Der getrübte Linsenkern wird meist mit Ultraschall zerkleinert und zusammen mit der Rinde abgesaugt. Dieses Verfahren heißt Phakoemulsifikation. Die Kapsel bleibt möglichst als Halterung erhalten. In sie wird eine gefaltete Intraokularlinse, kurz IOL, eingesetzt, die sich im Auge entfaltet. [16]
Der eigentliche Eingriff dauert bei einem unkomplizierten Verlauf häufig etwa 20 bis 30 Minuten; Vorbereitung und Nachbetreuung benötigen zusätzliche Zeit. Meist können Sie am selben Tag nach Hause. Organisieren Sie eine Begleitung und fahren Sie nicht selbst. Sind beide Augen betroffen, werden sie häufig an unterschiedlichen Tagen operiert. [2, 16]
Ein Femtosekundenlaser kann einzelne Operationsschritte übernehmen. Er beseitigt die Katarakt nicht ohne Linsenaustausch. Systematische Studienauswertungen zeigen für Routinefälle keinen überzeugenden klinisch bedeutsamen Vorteil gegenüber der üblichen Ultraschalloperation hinsichtlich Sehschärfe, Lebensqualität und Komplikationen. Fragen Sie deshalb nach dem konkreten Nutzen für Ihr Auge und nach möglichen Mehrkosten. [19]

Welche Kunstlinse zu Ihren Sehaufgaben passt

Vor der Operation wird das Auge vermessen, damit die Stärke der Kunstlinse berechnet werden kann. Ebenso wichtig ist das Gespräch über Ihre Gewohnheiten: Lesen Sie viel? Arbeiten Sie am Bildschirm? Fahren Sie häufig nachts? In welchen Entfernungen möchten Sie möglichst ohne Brille sehen?
Monofokallinse
Möglicher Nutzen: Schwerpunkt auf einem geplanten Entfernungsbereich, häufig der Ferne; in der Regel gute Kontrastqualität.
Was Sie berücksichtigen sollten: Für andere Entfernungen ist meist eine Brille nötig. Auch für die Ferne kann eine Restkorrektion erforderlich bleiben.
Linse mit erweitertem Schärfebereich
Möglicher Nutzen: EDOF-Linsen erweitern den nutzbaren Sehbereich, häufig von der Ferne bis zum Bildschirmabstand.
Was Sie berücksichtigen sollten: Für kleine Schrift bleibt oft eine Lesebrille nötig. Lichtphänomene und Kontrastleistung hängen vom Modell ab.
Multifokal- oder Trifokallinse
Möglicher Nutzen: Mehrere Sehbereiche; höhere Chance, im Alltag seltener eine Brille zu benötigen.
Was Sie berücksichtigen sollten: Häufiger Lichtkränze und Blendung; mögliche Einbußen beim Kontrast. Die Eignung muss sorgfältig geprüft werden.
Torische Ausführung
Möglicher Nutzen: Kann eine geeignete regelmäßige Hornhautverkrümmung, den Astigmatismus, mit ausgleichen.
Was Sie berücksichtigen sollten: „Torisch" bezeichnet eine zusätzliche Korrektureigenschaft. Sie ist mit verschiedenen Linsenkonzepten kombinierbar.
Die beste Wahl hängt vom Augenbefund und Ihren Prioritäten ab. Auch die teuerste Linse garantiert keine vollständige Brillenfreiheit. Übliche Kunstlinsen stellen die flexible Naheinstellung einer jungen natürlichen Linse nicht wieder her. [2, 3, 20]
Die eingesetzte Linse ist für den dauerhaften Verbleib im Auge vorgesehen. Ein regelmäßiger Austausch ist normalerweise nicht erforderlich. [2]
In Deutschland gehört eine medizinisch notwendige Kataraktoperation mit Standardversorgung grundsätzlich zur Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Für bestimmte zusätzliche Verfahren oder Linsen können Mehrkosten entstehen. Lassen Sie sich vor der Entscheidung erklären, was medizinisch notwendig ist, welche Zusatzleistung welchen Nutzen haben soll und welche Kosten Sie selbst tragen. [2, 16]

Was Sie nach der Operation erwarten können

Viele Menschen bemerken bereits in den ersten Tagen eine Verbesserung. Das Bild kann zunächst aber noch schwanken oder unscharf sein. Farben wirken mitunter deutlich heller und weniger gelblich. Bis sich das Auge erholt hat und die endgültige Sehqualität beurteilt werden kann, vergehen oft mehrere Wochen. Eine konkrete Verbesserung lässt sich nicht garantieren; Begleiterkrankungen spielen eine wichtige Rolle. [17, 18]
Verwenden Sie die verordneten Tropfen nach Plan und halten Sie die Kontrolltermine ein. Reiben Sie nicht am operierten Auge. Für Sport, Schwimmen, körperliche Belastung und Autofahren gelten die individuellen Anweisungen der behandelnden Praxis. Fragen Sie vor der Entlassung auch, wen Sie bei Beschwerden erreichen. [18]
Eine neue Brille wird angepasst, wenn sich die Werte ausreichend stabilisiert haben und die Nachkontrolle dies zulässt. Häufig liegt dieser Zeitpunkt einige Wochen nach dem Eingriff. Ist auch die Operation des zweiten Auges geplant, wird die endgültige Brillenversorgung entsprechend abgestimmt. Eine vorübergehende Lösung kann die Zwischenzeit erleichtern. [21]

Welche Risiken und späteren Veränderungen möglich sind

Die Kataraktoperation gehört zu den etablierten Eingriffen der Augenheilkunde. Dennoch ist sie eine Operation im Augeninneren. Möglich sind unter anderem Kapselverletzungen, Druckanstiege, Entzündungen, eine Schwellung der Netzhautmitte oder eine ungünstige Position der Kunstlinse. Seltene schwere Komplikationen sind eine Infektion im Auge oder eine Netzhautablösung. Das persönliche Risiko hängt unter anderem von Vorerkrankungen und der Kataraktform ab und wird vorab erläutert. [3, 16–18]
Monate oder Jahre später kann ein Nachstar auftreten. Dabei vermehren sich verbliebene Linsenzellen und trüben die erhaltene hintere Kapsel. Der ursprüngliche Graue Star wächst nicht nach. Wenn der Nachstar das Sehen relevant beeinträchtigt, lässt sich meist ambulant mit einem Nd:YAG-Laser eine Öffnung in der getrübten Kapsel schaffen. [14, 22]

Welche Warnzeichen Sie sofort abklären lassen sollten

Ein plötzlicher Sehverlust gehört nicht zum typischen schleichenden Altersstar. Suchen Sie bei folgenden Zeichen unverzüglich augenärztliche Hilfe, gegebenenfalls in einer Augenklinik:
  • plötzlich deutlich schlechteres Sehen;
  • neue Lichtblitze, zahlreiche plötzlich auftretende schwarze Punkte oder ein Schatten wie ein Vorhang;
  • starke Augenschmerzen oder ein deutlich gerötetes Auge mit Sehverschlechterung;
  • zunehmende Schmerzen oder eine erneute deutliche Sehverschlechterung nach einer Operation.
Solche Beschwerden können auf andere dringliche Erkrankungen oder eine Operationskomplikation hinweisen. Warten Sie damit nicht bis zum nächsten regulären Termin. [17, 23]

Wie Sie Ihre Augen unterstützen können

Eine sichere Vorbeugung gegen jede Katarakt gibt es nicht. Sinnvoll sind UV-Schutz, Rauchverzicht, eine ausgewogene Ernährung und bei Diabetes die mit dem Behandlungsteam abgestimmte Stoffwechseleinstellung. Eine Schutzbrille hilft, Verletzungen bei gefährdenden Arbeiten oder Sportarten zu vermeiden. [7, 9, 14]
Für hoch dosierte Präparate mit Vitamin C, Vitamin E oder Betacarotin ist dagegen kein verlässlicher Nutzen zur Vorbeugung oder zum Aufhalten einer altersbedingten Katarakt belegt. Solche Produkte sind keine Alternative zur Untersuchung und Behandlung. [24]
Bringen Sie zu einem Beratungstermin Ihre aktuelle Brille und eine Medikamentenliste mit. Notieren Sie zwei oder drei Situationen, in denen Sie sich besseres Sehen wünschen. Das hilft dabei, Ihre Beschwerden einzuordnen, eine mögliche Behandlung zu planen und die spätere Brillenversorgung auf Ihren Alltag abzustimmen.
Optikersuche-Ratgeber hilft Menschen mit Sehproblemen dabei, moderne Augenoptik zu verstehen, informierte Entscheidungen zu treffen und qualitätsorientierte Augenoptiker ihres Vertrauens zu finden.
Wichtiger Hinweis (Medizinischer Disclaimer): Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Aufklärung und allgemeinen Information. Ein optometrisches Screening ist eine physikalisch-technische Funktionsprüfung und stellt keine medizinische Diagnose oder Therapie dar. Bei akuten Beschwerden, Schmerzen oder plötzlichem Sehverlust wenden Sie sich bitte sofort an einen Augenarzt oder den medizinischen Notdienst.

Quellen und fachliche Grundlage

Recherche und fachlicher Abgleich durch den Autor am 22. September 2026. Die Ziffern im Text verweisen auf die folgenden Quellen. Leitlinien und systematische Reviews tragen die Behandlungsaussagen; seltene Kataraktformen werden ergänzend anhand von Fachreferenzen und Beobachtungsstudien erläutert.
  1. IQWiG 2026 · Grauer Star Katarakt. Evidenzbasierte Patienteninformation. Aktualisiert am 7. Januar 2026.
  2. IQWiG 2026 · Operation des Grauen Stars. Evidenzbasierte Patienteninformation. Aktualisiert am 7. Januar 2026; einschließlich Nutzen, Risiken, Linsenwahl und Versorgung in Deutschland.
  3. ESCRS · Recommendations for Cataract Surgery. Europäische Empfehlungen. Leitlinienprojekt 2024; Evidenzbewertung nach GRADE und fachlicher Konsens.
  4. NICE 2017 · Cataracts in adults management · NG77. Leitlinie. Zuletzt überprüft am 20. Mai 2025.
  5. IQWiG · Wie funktioniert das Auge. Patienteninformation. Anatomie und Akkommodation.
  6. IQWiG · Alterssichtigkeit Presbyopie. Patienteninformation. Abgrenzung zur Linsentrübung.
  7. National Eye Institute 2024 · Causes of Cataracts. Patienteninformation. Stand 5. Dezember 2024.
  8. American Academy of Ophthalmology EyeWiki · Cataract. Fachreferenz. Klinische Einordnung und Morphologie der Kataraktformen.
  9. National Eye Institute 2025 · Cataracts. Patienteninformation. Stand 26. November 2025.
  10. American Academy of Ophthalmology EyeWiki · Ocular Manifestations of Corticosteroids. Fachreferenz.
  11. Rasul A und Kessel L 2019 · Prevalence of anterior polar cataracts in children and risk factors for amblyopia. Beobachtungsstudie. Acta Ophthalmologica 97(5), 486–490. DOI 10.1111/aos.13966.
  12. American Academy of Ophthalmology EyeWiki 2026 · Posterior Polar Cataract. Fachreferenz. Überprüft am 6. April 2026.
  13. American Academy of Ophthalmology EyeWiki · Traumatic Cataract Surgery. Fachreferenz.
  14. National Eye Institute 2025 · Types of Cataract. Patienteninformation. Stand 6. August 2025.
  15. Savran O und Ulrik CS 2023 · Inhaled Corticosteroid Exposure and Risk of Cataract in Patients with Asthma and COPD. Systematischer Review und Metaanalyse. Journal of Ophthalmology, Artikel 8209978. DOI 10.1155/2023/8209978.
  16. BVA und DOG 2023 · Staroperation und Intraokularlinse. Patienteninformation der Fachgesellschaften.
  17. National Eye Institute 2024 · Cataract Surgery. Patienteninformation. Stand 5. Dezember 2024.
  18. NHS 2025 · Cataract surgery. Patienteninformation. Überprüft am 6. März 2025.
  19. Narayan A et al. 2023 · Laser-assisted cataract surgery versus standard ultrasound phacoemulsification cataract surgery. Systematischer Review randomisierter Studien. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD010735. DOI 10.1002/14651858.CD010735.pub3.
  20. de Silva SR et al. 2016 · Multifocal versus monofocal intraocular lenses after cataract extraction. Systematischer Review randomisierter Studien. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD003169. DOI 10.1002/14651858.CD003169.pub4.
  21. Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust 2026 · After cataract surgery. Patienteninformation. Überprüft im April 2026.
  22. American Academy of Ophthalmology EyeWiki · Posterior Capsule Opacification. Fachreferenz.
  23. IQWiG 2024 · Netzhautablösung. Evidenzbasierte Patienteninformation. Stand 28. Februar 2024.
  24. Mathew MC et al. 2022 · Antioxidant vitamin supplementation for preventing and slowing the progression of age-related cataract. Systematischer Review randomisierter Studien. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD004567. DOI 10.1002/14651858.CD004567.pub2.
  25. ZVA 2025 · Allensbach-Brillenstudie und Lotsenfunktion der Augenoptik. Berufsverbandliche Einordnung. Presseinformation vom 30. Juni 2025.